Parlamentarisches Fachseminar: Einführung in die Flexibilisierung von Biogasanlagen

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Biogasanlagen sind die kostengünstigste, regenerative Speichertechnik

Dr. Thomas Griese, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz

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#fmp1320-1

Durch den Leistungszubau von Photovoltaik und Windkraft sowie dem gleichzeitigen Abschalten von Kohle- und Kernkraftwerken steigt in den nächsten Jahren der Bedarf an regelbarer Leistung. Biogasanlagen sind dabei die kostengünstigste, regenerative Speichertechnik und haben das Potential ca. 25 % der zu regelnden Leistung bereitzustellen. Das Gas muss jedoch flexibel eingesetzt werden. Dieses Potential wird derzeit nicht genutzt und muss weiterhin angereizt werden. Aus diesem Grund muss der Flexdeckel weg.

Biogas führt nicht zu „Maiswüsten“ sondern kann durch die Nutzung von Bioabfällen und landwirtschaftlichen Reststoffen wie Gülle auch die Nachhaltigkeit in anderen Bereichen verbessern. So werden 8 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Rheinland-Pfalz für den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen genutzt.

Biogasanlagen derzeit teuerste Technologie im EEG

Peter Stratmann, Referatsleiter Bereich EEG-Aufgaben in der Bundesnetzagentur

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Mit dem fünf- bis zehnfachen des Marktpreises und einer Förderung von 200 €/MW ist Strom aus Biomasse die teuerste Technologie, die derzeit gefördert wird. Da Biogasanlagen zum Teil landwirtschaftliche Dienstleistung, wie die Entsorgung von Gülle erbringen, ist die Förderung von Biomasse eher eine landwirtschaftliche Förderung als eine für die Energiewende.

Eine dauerhafte Förderung von Biomasseanlagen über das EEG ist deshalb keine Option für eine Erneuerbare Zukunft. Nur wenn Biomasseanlagen Ihre Möglichkeiten für den Natur- und Umweltschutz nutzen und Ihre Dienstleistungen auch im landwirtschaftlichen Bereich anbieten, haben sie evtl. eine Chance.

Kompensation von Leistungsschwankungen mit Bioenergie

Bernhard Wern, IZES Institut für Zukunfts-Energie- und Stoffstromsysteme

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Biogas stellte 2019 13,1 % der Stromerzeugung in Deutschland, bei einer installierten Leistung von 5,9 GW. Photovoltaik hat mit einer installierten Leistung von 49 GW im gleichen Jahr ca. 19,5 % des Stromes bereitgestellt. Die derzeitigen rechtlichen Bedingungen führen jedoch dazu, dass 2035 nur noch 20 % der heutigen Biomasseanlagen bestehen würden. Für die Einhaltung der Klimaziele müssten die fehlenden Biogasanlagen durch den Zubau von 6,1 GW Wind an Land sowie 19,7 GW Photovoltaik kompensiert werden. Der zusätzliche Ausbau an fluktuierenden Erneuerbaren und die fehlende regelbare Leistung führen in einem Energiesystem mit 95 % erneuerbare Energien dazu, dass die Gesamtsystemsystemkosten ohne Biogas wesentlich höher sind als mit Bioenergieanlagen.

Die Internalisierung der externen Kosten hat zu einer Verteuerung von Strom aus Biomasse geführt, so hat 2000 Strom aus Biogas ca. 150 €/MW gekostet, heute liegen die spezifischen Kosten hingegen bei 200 €/MW. Diese Kostensteigerung aufgrund der weiteren Dienstleistungen von Biomasseanlagen, könnten am einfachsten über das EEG berücksichtigt werden, da hierüber alle Anlagen adressiert werden.

Bestandsanalyse der Biomasseanlagen

Martin Dotzauer, DBFZ Deutsches-Biomasseforschungszentrum GmbH

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#fmp1320-2591

Ein Großteil der insgesamt 9.000 Biomasseanlagen sind die 8.500 Biogasproduktionsanlagen, die restlichen Anlagen sind Vergärungsanlagen oder erzeugen Biomethan. Die meisten der Biomasseanlagen wurden bis 2014 gebaut, seitdem stagniert die Anzahl der Biomasseanlagen.

Ab 2024 fallen diese Anlagen aus der EEG-Förderzeit und müssen in die Ausschreibung wechseln, wenn sie weiter am Markt bestehen wollen. Mit 200 MW Ausschreibungsvolumen pro Jahr werden jedoch nur wenige Anlage die Ausschreibung gewinnen. Diese fehlende Perspektive führt neben erhöhten Risikoaufschlägen der Banken, auch zu einen Investitionshemmnis der Anlagenbetreiber, die keine Sicherheit für den Weiterbetrieb der Anlage sehen. Die Kostendegression der Höchstgebotsgrenze bei den Ausschreibungen sowie die Internalisierung von externen Kosten über Auflagen erhöht den wirtschaftlichen Druck auf die Betreiber. Mit einem Mehrerlös von ca. 1 ct/kWh ist die flexible Stromvermarktung nicht ausreichend für einen Investitionsanreiz in den Umbau der Flexibilisierung.

Bioenergie erfüllt vielfältige Aufgaben

Prof. Dr. Uwe Holzhammer, Technische Hochschule Ingolstadt InES – Institut für neue Energie-Systeme

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#fmp1320-3356

Die vielfältigen Aufgaben der Bioenergie wie die CO2-Minderung in der Landwirtschaft, regenerativen Wärmeversorgung, Landschaftspflege, Entsorgung organischer Abfälle sowie Stärkung der Landwirtschaft haben zu einem Anwachsen der Förderintensität für Biogasanlagen geführt. Diese Aufgaben, die zum Teil auch direkt an die Bioenergie gekoppelt sind und dieser nicht abgesprochen werden sollten, haben dazu geführt, dass sich die Biogasanlagen nicht ausschließlich am Strommarkt refinanzieren können.

Die nachwachsenden Rohstoffe sind ein wertvolles Gut, dass in der Menge durch die Flächenverfügbarkeit begrenzt ist. Dieses begrenzte Potential sollte auch gezielt und sinnvoll eingesetzt werden. Durch die Bereitstellung von Flexibilität können Biogasanlagen eine gesicherte Leistung bereitstellen und durch die Dezentralität auch eine hohe Verlässlichkeit gewährleisten. So haben bereits 2018 der Anlagen die Flex-Prämie bezogen haben ihre Stromerzeugung um 44 % absenken können. Das noch nicht alle Anlagen den flexiblen Betrieb bereit stellen liegt an den derzeit noch zu gering schwankenden Strompreisen und das für den Bezug der Flex-Prämie die bedarfsgerechte Fahrweise nicht eingefordert wurde.