Nachlese Flexperten-Workshop

Eine kurze Zusammenfassung der Vorträge vom Flexperten-Workshop am 24. September und 25. September 2018

Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Lage trafen sich am 24.09 und am 25.09.2018 verschiedenste Akteure der Biogasbranche zum Flexperten-Workshop in Kassel. Dabei wurden die politischen, technischen und auch rechtlichen Aspekte rund um den flexiblen Betrieb von Biogasanlagen behandelt. Der Workshop war mit 15 Vorträgen inhaltlich sehr breit aufgestellt. Dabei waren die Themen einzelnen Blöcken und Tagen zugeordnet:

Montag 24. September

  • Block A: Einführung für neue Netzwerkpartner und neue Mitarbeiter
  • Block B: Perspektiven für Biogasstrom und die Flexibilisierung im Anlagenbestand

Dienstag 25. September

  • Block C: Technik und Forschung

Hier geht es zum direkten Download der Vorträge.

Montag

Am Montag stand vor allem die politische Entwicklung und der gegenwärtige Stand der flexibilisierten Biogasanlagen im Vordergrund.

Uwe Welteke-Fabricius

Eingeleitet wurde der Workshop von Uwe Welteke-Fabricius von den Flexperten, mit einem Rückblick auf das Erneuerbaren Energien Gesetz im Zusammenhang mit der Entwicklungsgeschichte beim Ausbau der Biogasanlagen. Dabei hat sich vor allem ein unberechtigt schlechtes Meinungsbild von Biogas in der Politik und Bevölkerung durchgesetzt. Auch durch die Fehlsteuerung der Flexibilitätsprämie hat sich die Anzahl der flexiblen Biogasanlagen derzeit kaum erhöht was eine politische wie energiewirtschaftliche Akzeptanz erschwert. Aus diesem Grund, soll die Arbeit der Flexperten mit dem Ziel den Flexdeckel zu beseitigen und die zweite Chance durchzusetzen dazu beitragen, Biogasanlagen durch den Flexbetrieb wieder ein positives Image zu verschaffen.

Carsten Bahlburg

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Carsten Bahlburg von Biogas Service Tarmstedt berichtete aus der Praxis über die Flexibilisierung. Häufig aufgrund von Ausschreibungen hat ein Umdenken stattgefunden und ein Großteil der Biogasanlagenbetreiber beginnen mit einem dreifachen Überbau. Auch bei den Banken hat sich aufgrund der Ausschreibungen die Flexibilisierung durchgesetzt. Die 2,5-fache überbaute Anlage „Naturenergie Osteraue“ und die 5-fach überbaute Anlage „Rixdorf“ zeigen beispielhaft, dass die Flexibilisierung in der Praxis angekommen ist.

Wolf-Wilhelm Adam

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Wolf-Wilhelm Adam von natGAS AG zeigte die Ertragspotenziale für flexibilisierte Anlagen. Aufgrund des zunehmenden Anteils an fluktuierenden erneuerbaren Energien nimmt die Anzahl der negativen Strompreise zu. Zudem steigt die Volatilität vom Strompreis. Im Gegensatz zu den sinkenden Preisen der Regelenergie, damit steigt auch die Unsicherheit bei der Regelenergievermarktung und die Teilnahme am Intradayhandel wird wirtschaftlich immer attraktiver.

Manuel Stelzer

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Den Stand bei der Flexibilisierung der Biogasanlagen stellte Manuel Stelzer vom Fraunhofer IEE vor. Nur die Hälfte der Anlagenbetreiber die die Flexibilitätsprämie bei der Bundesnetzagentur angemeldet haben, nehmen diese beim Netzbetreiber in Anspruch. Bei 2/3 der Anlagen die die Flexibilitätsprämie in Anspruch genommen haben wurde die BHKW-Leistung erhöht. Hier wird im Durchschnitt die Anlagenleistung verdoppelt, wobei die Tendenz hin zu größerer Überbauung steigt.

Die offenen Rechtsfragen zur Flexibilisierung von Biogasanlagen stellte Dr. Hartwig von Bredow (vonBredow Valentin Herz Rechtsanwälte) vor. Neben dem Unterschied von „Flexprämie“ und „Flexzuschlag“ wurden die Rechtsfragen beim Zubau von neuen BHKW`s geklärt. Beim Versetzen eines BHKW`s zu einem Satellitenstandort oder umgekehrt, verhält sich die Rechtslage teilweise sehr unklar. Besonders der Anlagenbegriff beim Austausch aller BHKW`s gegen einen oder mehrere neue Stromerzeuger ist rechtlich nicht eindeutig geklärt.

Dr. Christian Riessen

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Die Flexibilität von Biogasanlagen aus unternehmerischer Sicht präsentierte Dr. Christian Riessen von GesamtBetriebsBeratung. Die ökonomische Motivation zur mehrfachen Überbauung gegenüber der Verdopplung (Spiegelung) der Anlagenleistung, sind zum einen die geringeren spezifischen Investitionskosten (€/kWel) von ca. 1000 €/kWel und zum anderen die Direktvermarktungsmehrerlöse am Strommarkt. Auch wenn die wirtschaftlichen Vorteile für eine mehrfache Überbauung sprechen, muss das richtige Konzept immer anlagenspezifisch ermittelt werden.

Dienstag

Mathias Wawra

Am Dienstag eröffnete Mathias Wawra von Emission Partner mit einem Kurzbeitrag zur 44. Bundesimmissionsschutzverordnung (44. BImSchV) den Workshop. Die Abgasgrenzwerte für mittelgroße Feuerungsanlagen (1 MW bis 50 MW) werden stufenweise verschärft. Abhängig vom Brennstoff, werden die Emissionsgrenzwerte für Luftschadstoffe bei Neuanlagen im Dezember 2018 und für Bestandsanlagen ab Januar 2029 herabgesetzt.

BHKW-Neuanlagen müssen ab 2023 mit SCR-Kat ausgestattet werden, und Bestandasanlagen ab 2029. Dazu zählen auch die bis 2023 noch hinzugebauten BHKW. Jedes dieser Flex-BHKW sollten schon jetzt mit SCR-Kat ausgestattet werden oder diesen mindestens vorsehen, weil diese ja bis in die Dreißigerjahre betrieben werden. Wahrscheinlich ist es wirtschaftlich sogar sinnvoll, weil der SCR-Kat eine effizientere Motoreinstellung ermöglicht und man mehr Kosten beim Biogas einspart als der Harnstoff und der Kat-Betrieb kosten.

Michael Wentzke

Michael Wentzke von IG Biogasmotoren präsentierte die aktuellen Entwicklungen des Entwurfes zur „Technische Regel für Anlagensicherheit Biogasanlagen“ (TRAS 120). Derzeit wird der Entwurf der TRAS 120 noch von der Kommission für Anlagensicherheit (KAS) bearbeitet. Doch bereits jetzt schon wird der Entwurf von verschiedensten Parteien kritisiert. Eine Verabschiedung der TRAS 120 von der KAS wird im Frühjahr 2019 erwartet, um danach abschließend vom Umweltministerium geprüft zu werden. Welche Inhalte aus dem derzeitigen Entwurf der TRAS 120 übernommen werden und wann dieser veröffentlicht wird ist derzeit noch unklar.

Hafid M´Khayer

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Im Anschluss stellte Hafid M´Khayer von MKH Greenenergy Cert GmbH die Neuerung bei der Anlagenzertifizierung für den Netzanschluss von energieerzeugenden Anlagen vor. Ab dem 27. April 2019 müssen alle Neuanlagen ein Anlagenzertifikat entsprechend der neuen Mittelspannungsrichtlinie (VDE-AR-N 4110) besitzen. Für Bestandsanlagen gibt es eine Übergangsregelung. Zudem müssen alle energieerzeugenden Anlagen erweiterte Fähigkeiten für das Durchfahren von kurzen Spannungseinbrüchen sowie für die Bereitstellung von Blindleistung gewährleisten. Herr M`Khayer schloss seinen Vortrag mit der Empfehlung das Anlagenzertifikat 6 bis 12 Monate vor der geplanten Inbetriebnahme zu beauftragen, um ungewollte Verzögerungen zu vermeiden.

Jörg Lösing

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Wie lang die Lieferzeit von großen Flex-BHKWs ist, stellte Jörg Lösing von 2G Energietechnik GmbH vor. Die Lieferzeit von BHKWs im Leistungsbereich von 500 kWel bis 2.000 kWel liegen zwischen 27 und 44 Wochen. Aufgrund der Deckelung der Flexprämie, werden derzeit aufgrund der fehlenden Planungssicherheit die Investitionen in neue Anlagen gehemmt.

Jan Sagefka

Jan Sagefka von BayWa r.e. Clean Energy Sourcing GmbH präsentierte den Flexbetrieb von Biogasanlagen aus Sicht eines Direktvermarkters. Die momentan flexibel am Intradayhandel beteiligten Biogasanlagen sind kaum vorhanden, obwohl ein optimierter (flexibler) Fahrplanbetrieb unter Einhaltung der Restriktionen der jeweiligen Anlage möglich ist. Hinzu kommt, dass die Preisvolatilität am Strommarkt zunimmt und durch das neue Ausschreibungsverfahren für die Sekundärregelleistung, es immer schwerer für Biogasanlagen wird diese Mehrerlöse zu erhalten.

Dr. Petra Rabe

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Einen Ansatz zur flexiblen Biogaserzeugung über die Turbomaische zeigte Dr. Petra Rabe von der Bionova Biogas GmbH. Turbomaische kann dem Fermenter vorgeschaltet werden und ermöglicht die Fütterung mit Stroh. Da die Turbomaische dem Fermenter vorgeschaltet ist, kann diese auch bei bestehenden Anlagen zugebaut werden. Die Fütterung mit Stroh bietet die Vorteile der geringeren Substratkosten und der flexibleren Auswahl beim Fütterungsgut. Zudem ermöglicht es eine saisonale Speicherung über das Substrat, da bei saisonalen Spitzenlasten mehr Substrat gefüttert werden kann, um die Biogasproduktion zu erhöhen. In einen dreiwöchigen Test an der Biogasanlage Pommerehne in Lüchow, konnten durch die Turbomaische die Substratkosten um mehr als 800€ am Tag verringert werden.

Helmut Wiedau Sattler

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Helmut Wiedau Sattler von Ceno TOP-TEX GmbH stellte die Gasspeicher für die bedarfsorientierte Stromproduktion von Biogasanlagen vor. Dabei kann die Gasspeicherung für den Flexbetrieb über drei verschiedene Konzepte realisiert werden. Das erste Konzept ist die vorhandenen Rohgasspeicher zu nutzen und die nachgeschaltete Gasreinigung zu vergrößern. Die Vergrößerung der Gasreinigung ist notwendig, um den Spitzenlast Gasbedarf abdecken zu können. Die zweite Variante ist die Gasreinigung weiterhin im 24 Stunden Betrieb zu halten und das Gas in einem Reingasspeicher zu puffern. Die dritte Option ist, einen Kombispeicher für Rein- und Rohgas zu installieren, falls das vorhandene Rohgasspeichervolumen nicht ausreicht. Auch hier wird die Gasreinigung weiterhin im 24 Stunden Betrieb gefahren und das Reingas im Kombispeicher gelagert.

Janis Matthes

Am Schluss präsentierte Janis Matthes von den Flexperten den von der FNR gestarteten Forschungsaufruf zur Flexibilisierung bei der Biogaserzeugung und die Ergebnisse einer Studie vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ). Die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft initiierte Förderung unterstützt Forschungsprojekte die die flexible Biogaserzeugung untersuchen. Dabei ist ausdrücklich nur die Erzeugung bzw. Überwachung bei der flexiblen Biogasproduktion gemeint und nicht die flexible Nutzung von Biogas durch beispielsweise den Flexbetrieb. Die Studie vom DBFZ zur Bewertung von Flexibilisierungskonzepten für Biogasanlagen hat sieben bestehende Anlagen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit untersucht. Das Ergebnis war, das bei allen Anlagen eine vierfache Überbauung und ein vollflexibler Betrieb am wirtschaftlichsten gegenüber dem Ist-Zustand sind.

Für genauere Informationen können Sie sich die einzelnen Vorträge hier herunterladen.